Olaf Martens – Blockschokolade
Diese fru?hen Arbeiten aus den Jahren 1979 – 1989 zeigen die Wurzeln der vielfach bekannten inszenierten Arbeiten seiner späteren Schaffensperiode in einem ganz neuen Licht.
Olaf Martens war anfänglich Mitglied des sogenannten Thomas Mann Clubs, Nordhausen, bevor er
1985 an die Hochschule fu?r Graphik und Buchkunst in Leipzig ging, wo er auch sein Meisterstudium
1992 unter Helfried Strauß und Wolfgang G. Schröter abschloss. Seine damaligen Mitstudenten
waren Ku?nstler wie Rosa Loy, Neo Rauch, Matthias Hoch oder Hans Christian Schink. Es ist wichtig
den Kontext in dem Kunst und vor allem die Fotografie in der DDR praktiziert wurde vor Augen zu
halten. Im Westen Deutschlands gehörten dank völliger Pressefreiheit Medien- und Kunstbilder zum
normalen Alltag. In der DDR existierten Bilder nur im Rahmen staatlicher Kontrolle. Zeitgleiche
westliche Kunst und Medienkultur fehlten in der DDR fast zur Gänze. Innerhalb der Fotografie war
neben den u?blichen Gattungen von Portrait und Landschaft durchaus auch die sogenannte Sozial
engagierte Dokumentation und Reportage erlaubt auch die Aktfotografie war nicht tabu, solange man
nur das fotografierte was der Staat guthieß. Genau diese erlaubten Gattungen nahm sich Olaf
Martens vor und suchte von Anfang an behutsam die Grenzen auszuloten und auch zu u?bertreten um
seine ku?nstlerische Vision weiter voranzutreiben. Olaf Martens fotografierte fast obsessiv
architektonische Stadtbilder, Landschaften, spielende Kinder auf der Strasse, Jugend- und Tanztreffs,
alte Menschen in ihrem Umfeld, Freunde, Verwandte und Bekannte, Stadtszenen und Schaufenster.
Ähnlich wie Ed van der Elsken, Helen Levitt, Lee Friedlander oder Diane Arbus sind Olaf Martens
fru?he Arbeiten dabei nur auf den ersten Blick in der klassischen Dokumentarfotografie angesiedelt.
Sie sind meist ironisch und zeigen die Absurdität des menschlichen Daseins immer wieder neu auf,
der einzige Weg Kritik an seinem Land zu äußern. Dabei sind sie nie vollends beschreib- oder
interpretierbar. Martens Arbeiten entziehen sich stets jeglicher Kategorisierung, fu?r ihn zählt einzig
seine Vision.
Schon fru?h suchte Martens nach privaten Plätzen, um dort seine Bildideen auszuprobieren, die er mit
dem alltäglichen Kamerastreifzug durch die Stadt nicht finden konnte. Mit Hilfe der nicht tabuisierten
Aktfotografie die Martens wie die Reportage als reine Stu?tze oder als eine Art Versatzstu?ck nutzte
und diese Gattungen in seinem sehr persönlichem Stil auch zusehens mehr und mehr vermischte,
konnte Martens ku?nstlerisch seinen Zustand, wie auch die Sicht der Dinge immer intensiver innerhalb
der vorgegebenen Grenzen ausdru?cken. Wenn er doch u?ber die Grenzen ging war auch schnell die
Polizei vor Ort und beschlagnahmte seine Filme. Die Stasi war stets Teil seines Ku?nstleralltags die
Martens oft auch in seinen Bildern mit ablichtete und mit der er als Ku?nstler immer wieder umgehen
musste. So sieht man auf einer Aufnahme des Pfingstjugendtreffs in Nordhausen 1983 zwei Männer
aus der Menge herausragen wie zwei völlige Fremdkörper – zwei Stasimitarbeiter.
Erst jetzt, 20 Jahre später, war Olaf Martens bereit, die zahlreichen Arbeiten aus dieser Zeit wieder
durchzusehen. Gemeinsam mit der Galerie wurden aus dem umfangreichen Archiv ca. 70 Arbeiten
ausgewählt, die seine Sicht der ihn umgebenden Welt zeigen und die Wurzeln seiner heutigen
Arbeiten sind, in denen er seiner unendlichen Kreativität und Humor endlich ganz freien Raum lassen
kann.
Olaf Martens hatte seinen Durchbruch 1989 durch Veröffentlichungen im Stern, im FAZ Magazin und
in vielen der wichtigsten westlichen Printmedien. Er wurde schnell zum Shooting Star des Ostens der
90iger Jahre im Westen erkoren. Heute sind Olaf Martens Arbeiten mehr im Internationalen
Kunstbetrieb zu finden. Seit Ende der 90er Jahre sind seine Fotografien in einer Vielzahl von
Gruppen- und Einzelausstellungen wie im Deutschen Historischen Museum Berlin, im Moskauer Haus
der Fotografie, dem Kunstmuseum Bonn, dem Grassi Museum Leipzig, Leopold Museum Wien,
Kunstforum Halle, Winterthur Museum vertreten.