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„Die Einzigartigkeit mancher Orte kommt oft erst nachts zum Vorschein. Die künstliche, modellhafte Ästhetik, die Licht- und Farbstimmung die man hier vorfindet, wirkt auf mich sehr anziehend.“ Juliane Eirich im Interview mit der Koreanischen Fotozeitschrift „Monthly Photography“ 2009
Juliane Eirich (geb. 1979) fotografiert Orte, die ihre spezielle Aura erst nachts entfalten. Damit bearbeitet die Künstlerin einem Themenkomplex, dem bisher weder in der Malerei noch in der Fotografie ausreichend Augenmerk geschenkt worden ist. Dabei fordert doch gerade die nächtliche Atmosphäre diese beiden Genre, deren ureigene Domäne die Gestaltung von Farbe und Licht ist.
Doch Eirich geht es nicht um die Effekte des nächtlichen Hell-Dunkel-Spiels barocker Darstellungen bei Kerzenlicht, sondern vielmehr um die unverfälschte, klare Perspektive des außenstehenden Beobachters. Ihre Arbeiten erinnern daher eher an den distanzierten Blick eines Edward Hopper oder an die Nachtaufnahmen eines Edward Munch, wobei die Einsamkeit und Ruhe der Nacht hier eher negativ konnotiert sind. Juliane Eirich hingegen bietet mit ihren nächtlichen meist menschenleeren Aufnahmen dem Betrachter die Möglichkeit dem lauten und immer hektischer werdenden Alltag zu entfliehen. „Alle meine Arbeiten beschäftigen sich mit Ruhe. Dies habe ich zunächst nicht geplant. Ich vermute, dass es an der Tatsache liegt, dass unser Leben immer schneller wird und ich versuche, diese Beschleunigung mit ruhigen Fotografien zu kompensieren.“
Dabei ist nicht nur das Motiv entscheidend, sondern auch der richtige Betrachterwinkel, sowie nicht zuletzt der Prozess der Belichtung an sich. Nimmt die Verschlusszeit bei Tagesaufnahmen in der Regel nur Sekundenbruchteile in Anspruch, so zieht sich diese in der Nacht oft bis zu 15 Minuten hin. Es handelt sich also um einen konzentrierten und präzisen Prozess, der es Juliane Eirich ermöglicht, sich voll und ganz auf das Motiv einzulassen. Die Ruhe der Nacht ist hierfür ideal. Weder Menschengewimmel noch Lärm lenken ab, so dass die Künstlerin während dem Prozess der Aufnahme eins wird mit dem dokumentierten Ort. „Diese Orte scheinen mir wie ein Schauspiel, dass keine Zuschauer sucht. …mir gefällt, dass sie normalerweise nicht viel Aufmerksamkeit bekommen, vor allem nicht nachts.“ Außerdem liegt Eirich die Tatsache, dass Orte und Gebäude nicht posieren können. Sie sind offen für die subjektiven Empfindungen des Betrachters; sie können nicht manipulieren, wie Menschen, die sich gerne in Szene setzen. Die Untersuchung der Wechselbeziehungen zwischen von Menschen kreierten Orten und deren Umwelt ist dabei ein wichtiger Aspekt von Eirichs Arbeiten, der sich durch alle ihre Serien zieht. Dabei kann die vom Menschen beeinflusste Umwelt mit der Natur eine Einheit bilden oder auch in Disharmonie enden, die als lustig, störend oder auch einfach nur überraschend empfunden werden kann. Das vom Menschen gebildete zeigt damit seine Fähigkeit, auf die Natur einzugehen.
Eirichs Nachtaufnahmen fordern den Betrachter dazu auf, sich in Kontemplation auf die Intimität des Ortes einzulassen, sich dessen Geschichte zu widmen oder auch einfach nur dem eigenen Empfinden nachzuspüren.
Die in ihrer Klarheit fast streng wirkenden nächtlichen Aufnahmen erscheinen geradezu ikonographisch – fast zeitlos im Prozess ihrer Entstehung zeitlos in ihrer Wirkung auf den Betrachter.
Juliane Eirich (geb. 1979 in München) studierte von 2000 – 2003 an der Fachakademie für Fotodesign in München. In den darauf folgenden Jahren realisierte sie in New York und Hawaii eigene Projekte. 2007 erwarb sie ein 18 monatiges DAAD-Stipendium an der Hong-Ik Universität in Seoul, Südkorea. Die Künstlerin arbeitet zur Zeit in Berlin Und New York.
Ihre Arbeiten wurde bereits international in Galerien (Bruce Silverstein Gallery, New York; Houston Center of Photography; Künstlerhaus Bethanien, Berlin u.a.) und auf Festivals (Mannheimer Fotofestival; Tunis Biennale 2010, Photofestival Aleppo, Syrien u.a.) ausgestellt.