John Goto – Ukadia
“Indem ich moderne Touristen in solche Umgebungen einbette, rufe ich einen ironischen Kontrast zu dem arkadischen Traum hervor, mit dem Ziel, unsere komplexen modernen Beziehungen mit der Landschaft zu hinterfragen. Die großartigen englischen Satiriker Hogarth, Gillray und Rowland benutzten diese Strategien, um die Ansprüche ihrer Zeit zu verhöhnen. Meine Absicht, unsere heutige Gesellschaft durch einen historischen Filter zu sehen hilft dabei, der Amnesie, die von der modernen Welt ausgeht, entgegen zu treten.“ (John Goto)
John Gotos digital realisierte Serie „High Summer“ (Hochsommer) spielt sich in einer modernen „Dyscadia“ (Gegenteil Arkadien) ab. Satirisch betrachten die Arbeiten unsere jetzigen Beziehungen zur Landschaft. Moderne Freizeit-Touristen werden in diese idealen Landschaften hineingesetzt und erst eine sorgfältige Betrachtung der Szenerien eröffnet eine komplexe Auseinandersetzung innerhalb eines modernen Großbritanniens. Die neoklassizistischen Kulissen bauen auf den Landschaftsgärten in Stowe, Rousham und Stourhead auf, in denen die Ideen, angeregt durch die berühmte „Grand Tour“ der englischen Aristokratie Mitte des 18. Jahrhunderts, realisiert wurden. Goto gestaltet diese „freundlichen Landschaften“ um, und vermittelt dabei etwas des Gefühls für Raum und Umfang, das in den Gemälden der großen Landschaftsmaler wie Claude Lorrain und Nicholas Poussin zu spüren ist, die die damaligen Architekten der Landschaftsgärten stark beeinflusst haben. Für John Goto bieten diese idealen Landschaften einen Rahmen für das Drama menschlicher Emotionen und Aktionen sowie den utopischen Wunsch nach einem perfekten Leben.
John Gotos Arbeiten sind voller Anspielungen auf die Kunstgeschichte: auf die Idyllen der Landschaftsmalerei des 17.Jahrhunderts, die englischen Landschaftsgärten, und die erhabene Rhetorik der akademischen Historienmalerei. Seine modernen Geschichten, die reumütig den Zustand der politischen Desillusion in England widerspiegeln, gehören zu einer besonderen englischen Tradition der sozialen Satire, die ihre Wurzeln im Allgemeinen im 18.Jahrhundert und im Besonderen in der Arbeit von William Hogarth hat, mit dessen Werk sich Goto mehrere Jahre lang beschäftigte. Nach Hogarths Vorbild versucht Goto in seiner Serie “High Summer”, einen ironischen Kontrast zwischen den idealisierten arkadischen Schauplätzen und Possen der zeitgenössischen Touristen, die durch die Landschaften wandern, zu kreieren. Aus der niederländischen Genremalerei übernahm Goto von Jan Steen die Vorliebe für humoristische Elemente.