Brian Ulrich – Copia Retail
Nach 2001 wurden US Amerikaner von ihrer Regierung im Zuge von 9/11 auf die wichtige Rolle des fortwährenden Konsums und der Erhaltung der Inneren Marktwirtschaft hingewiesen. Ulrichs Projekt Copia, das lateinische Wort für Überfluss, ist als ein Kommentar auf diese Aufforderung zu verstehen.
Schon früher haben sich Künstler mit dem Phänomen des Konsums in Amerika beschäftigt. Garry Winogrand bezeugt in seinen Bildern aus den 60er Jahren die wirtschaftliche Expansion Amerikas nach dem 2. Weltkrieg. In diesem Zusammenhang sei auch an die Arbeiten Tina Barneys erinnert, die den amerikanischen Reichtum vor Augen führen. Sicherlich sind auch die Arbeiten Andreas Gurskys in den Kontext von Warenüberfluss zu stellen. Alle diese Arbeiten sind illustrierter Zeitgeist.
Ulrichs Bilder geben den Zeitgeist des neuen Jahrtausends in Amerika wieder, das von exzessivem Konsum und dem Anti-Terror-Krieg geprägt ist. Schon immer waren Krieg und wirtschaftliche Maßnahmen an der Heimatfront miteinander verbunden. Allerdings forderten frühere Politiker in Krisenzeiten Verzicht, während die Bushregierung die Nation zum Gegenteil auffordert: die Stärkung der nationalen Wirtschaft in Zeiten der Globalisierung und geopolitischer Gefahren durch erhöhten Konsum. Dieser Krieg wird eben auch in der Heimat mit den Mitteln der Kreditkarte, verzögerter Zahlungen sowie Nachlässen bei Aufträgen ausgefochten.
In Ulrichs Arbeiten starren die gezeigten Personen wie hypnotisiert auf Waren, die Figuren stehen im Bann der Konsumgüter. Die Entscheidung für dieses oder jenes Produkt fordert ihre ganze Aufmerksamkeit. In ihrer stillen Ernsthaftigkeit scheinen sie mit diese nun mittelbaren Entscheidungen ihren Beitrag zum großen Ganzen leisten zu wollen. Ulrichs Arbeit Money und Redemption zeigt uns ganz augenscheinlich diese metaphorische Dimension.
Die Copia-Serie ist von der Aperture Foundation als Katalog veröffentlicht worden. Er unterrichtet Photography, Web Design und Visuelle Kommunikation am Columbia College, der Marwen Foundation und an der Universität von Akron. Brian Ulrich ist in bedeutenden Sammlungen wie Margulies Collection Miami, Art Institute of Chicago, LaSalle Bank Chicago, Museum of Contemporary Photography Chicago sowie in privaten Sammlungen weltweit (Brüssel, Atlanta, Los Angeles, Chicago, Cleveland, Miami, Newark, New York) vertreten.